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Sun Ra. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. Januar 2007, 16:02 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sun_Ra&oldid=26324447 (Abgerufen: 3. Februar 2007, 17:09 UTC).

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Sun Ra

Sun Ra (eigentlich Herman Poole Blount; * 22. Mai 1914 in Birmingham, Alabama; † 30. Mai 1993) war ein experimenteller, avantgardistischer Jazzkomponist und Jazzmusiker (Piano, Orgel, Keyboard).

Sun Ra galt schon zu Lebzeiten als Mythos und bis heute als einer der umstrittensten Jazzmusiker. Durch seinen ganz eigenen Stil und seine innovativen Ideen polarisierte er die Kritiker und Publikum. Sahen die einen in ihm einen genialen Innovator, so galt er anderen als Scharlatan. Sun Ra ist einer der Wegbereiter des Free Jazz.

Berühmtheit erlangte er durch seine bizarren astrologischen Predigten und Philosophien genauso wie durch seine phänomenalen musikalischen Kompositionen und Darbietungen. Er legte 1952 seinen Geburtsnamen ab, nahm den Namen Sun Ra an (Ra ist der Name des antiken ägyptischen Sonnengotts) und leitete eine Band mit ständig wechselnder Besetzung, die als "Arkestra" bekannt wurde. Die bemerkenswertesten Mitglieder des Arkestra waren die Saxophonisten John Gilmore, dessen Werk das von John Coltrane beeinflusste, und Marshall Allen, der das Arkestra heute (2005) noch leitet. Das Wort Arkestra begriff Sun Ra als Verbindung von Arche und Orchester.

Die musikalische Entwicklung Sun Ras kann lose in drei Perioden eingeteilt werden. In der ersten in den 1950er Jahren entwickelte sich seine Musik aus dem Bigband-Swing, mit dem er in den 1940ern seine Karriere begann, und es bildete sich der thematisch von Weltraumthemen bestimmte "Cosmic Jazz" heraus, mit dem er die größte Berühmtheit erlangte. Musikkritikern und Jazzhistorikern zufolge wurden einige seiner besten Werke in dieser Periode geschaffen. Bemerkenswerte Sun Ra-Alben der 1950er sind unter vielen anderen Sun Ra Visits Planet Earth, Interstellar Low Ways, Angels And Demons At Play, We Travel The Spaceways und Jazz In Silhouette.

Zudem begann der Exzentriker ebenfalls in den 1950ern sonderbare Kostüme und Kopfschmuck in ägyptischem Stil zu tragen. Er behauptete, er stamme nicht von der Erde sondern vom Planeten Saturn und entwickelte eine Kunstfigur aus "kosmischen" Philosophien und lyrischer Dichtung, die vor allem Bewusstsein und Frieden predigte. Er distanzierte sich vom Rassismus unter dem er selbst häufig zu leiden hatte, wenn es um Tourneen und Konzerte des Arkestra ging, ohne sich jedoch öfter dazu zu äußern. Überhaupt sprach er, anders als viele schwarze Musiker seiner Generation, selten über umstrittene Themen. Er machte lieber Musik, während das Ensemble von Musikern, die mit ihm zusammenarbeiteten und auf Tour gingen, sich fast täglich änderte.

Während der 1960er Jahre durchlief seine Musik eine chaotische, experimentelle Periode. Während dieser Periode erreichte seine Popularität ihren Höhepunkt, als die "Beat Generation" und die "Psychedelic" Bewegung seine Musik aufnahmen. Ras Alben aus dieser Zeit sind für Hörer, die sich zum ersten Mal mit seiner Musik beschäftigen oft nur schwer zugänglich . Bemerkenswerte Titel aus dieser Periode sind unter anderem The Magic City, When Sun Comes Out und Other Planes Of There.

Während der 1970er Jahre und später bewegte sich die Musik von Sun Ra und dem Arkestra auf konventionelleren Bahnen, blieb dabei aber weiter in hohem Maße eklektisch und energiegeladen. Sun Ra fand Geschmack an den Filmen von Walt Disney. Er begann Schnipsel aus Disneys Musikstücken in viele seiner musikalischen Darbietungen einzubeziehen. In den späten 1980er Jahren gab das Arkestra sogar ein Konzert in Walt Disney World. Die Version von Pink Elephants On Parade des Arkestras ist auf dem Album Stay Awake vertreten, einer Zusammenstellung von Disneymelodien, die von unterschiedlichen Künstlern interpretiert wurden; “Salute to Walt Disney” (Leo Rec.). Einige von Sun Ras Konzerten aus den 1970er Jahren sind auf CDs erhältlich (Leo Records).

Sun Ra war einer der produktivsten Musiker des Jazz. Im Laufe seiner Karriere nahm Sun Ra hunderte Alben auf, von denen viele jedoch auf winzigen Plattenlabeln veröffentlicht und daher nur in kleinen Auflagen vertrieben wurden. Er veröffentlichte seine Musik zeitweilig (für die damalige Zeit außergewöhnlich) auf seinem eigenen Label "Saturn" und vertrieb sie über Mailorder. So blieb seine Musik dem großen Publikum, das ihn nicht in Konzerten erlebt, unbekannt. In den 1990er Jahren wurden viele seiner Aufnahmen zum ersten Mal postum auf CDs beim Plattenlabel Evidence veröffentlicht, in den letzten Jahren erschienen zahlreiche re-editions und bisher unveröffentlichte Aufnahmen beim Londoner Label ArtYard.

Sun Ra und sein Arkestra waren Gegenstand des Dokumentarfilms A joyful Noise und im Jahre 1972 des Blaxploitationfilm Space Is The Place. Der Soundtrack zu diesem Film, ebenfalls von Sun Ra, ist auf CD erhältlich.